Die Geschichte von Miauz Genau!

Logo von 'Miauz Genau! – Der Pokémon Podcast' mit Retro-Mikrofon vor lila Hintergrund, umgeben von stilisierten Neon-Elementen im Design von Mauzi-Ohren und Münze

Auf dieser Seite erzähle ich, wie „Miauz Genau!“ entstanden ist: von meiner frühen Begeisterung für Pokémon und Podcasts über die ersten Ideen für eine eigene Sendung bis zum Start des Podcasts im Jahr 2018 und seiner Entwicklung in den Jahren danach.

Wenn ich erzählen möchte, wie „Miauz Genau!“ entstanden ist, muss ich eigentlich ziemlich weit zurückgehen. Lange bevor ich mein erstes Mikrofon für diesen Podcast eingeschaltet habe und sogar lange bevor ich überhaupt wusste, was ein Podcast ist, war da schon Pokémon.

Ich gehöre ziemlich genau zu der Generation, die Pokémon von Anfang an miterlebt hat. Ich komme ursprünglich aus Berlin-Lichterfelde und bin mit der ersten Generation der Spiele groß geworden. An meine ersten Begegnungen damit habe ich bis heute sehr konkrete Erinnerungen. Einige davon spielen abends im Bett, mit einem Game Boy vor mir und meiner Mutter neben mir. Ich konnte damals selbst noch nicht richtig lesen, wollte aber natürlich trotzdem Pokémon spielen. Also lagen wir gemeinsam auf dem Bauch, ich spielte und meine Mutter las mir die Texte auf dem kleinen Bildschirm vor.

Wenn ich heute an diese Zeit denke, gehören diese Abende zu den Erinnerungen, bei denen sofort wieder ein ganz bestimmtes Gefühl da ist. Pokémon war für mich deshalb nie einfach nur irgendeine Spielereihe, die irgendwann in meiner Kindheit angesagt war. Das Franchise hat mich über viele unterschiedliche Phasen meines Lebens begleitet. Spiele kamen und gingen, der Anime veränderte sich, neue Generationen lösten alte ab, aber Pokémon blieb irgendwie immer da.

Trotzdem dauerte es noch sehr lange, bis aus dieser Begeisterung ein eigener Podcast werden sollte. Denn vorher musste ich erst einmal ein Fan von Podcasts selbst werden.

Irgendwann zog meine Familie aus Berlin ins Berliner Umland. Wir lebten dort in einer kleinen Ortschaft, während meine Schule weiterhin in Berlin lag. Später änderte sich daran im Grunde wenig, denn auch für mein Abitur besuchte ich ein Oberstufenzentrum in Berlin.

Damit wurde ein Regionalzug zu einem ziemlich festen Bestandteil meines Lebens.

Von unserem Wohnort aus fuhr der Zug nur einmal pro Stunde. Wer ihn verpasste oder nach Schulschluss ungünstig ankam, hatte also Zeit. Sehr viel Zeit. Hinzu kamen die langen Fahrten durch Berlin selbst. Mein Alltag bestand dadurch über Jahre hinweg aus erstaunlich vielen Stunden in Zügen, auf Bahnsteigen und an Bahnhöfen.

Ungefähr in diese Zeit fiel auch meine große „World of Warcraft“-Phase. Wrath of the Lich King erschien Ende 2008, ich war damals ungefähr 15 Jahre alt und spielte zu dieser Zeit wirklich absurd viel WoW. Mobile Internetnutzung sah damals allerdings noch ganz anders aus als heute. Ein Smartphone mit unbegrenztem Datenvolumen, auf dem man unterwegs selbstverständlich YouTube, Twitch oder irgendeinen Streamingdienst öffnet, war für mich keine Realität.

Ich brauchte also etwas, mit dem ich diese ganzen Stunden füllen konnte. Etwas, das ich mitnehmen und hören konnte.

Und irgendwann fand ich Podcasts….

Das klingt aus heutiger Sicht beinahe banal. Man öffnet eine App, sucht nach einem Thema und findet meistens mehrere Podcasts dazu. Damals fühlte sich das anders an.

Podcasts waren keineswegs neu. Mitte der 2000er hatte sich bereits eine aktive deutschsprachige Szene entwickelt, und schon 2008 boten viele Rundfunkanstalten Inhalte als Podcasts an. Der spätere große Plattformboom lag allerdings noch weit entfernt. Spotify begann erst viele Jahre später damit, Podcasts prominent in seinen Dienst zu integrieren.

Ich habe diese frühere Podcastwelt als etwas wesentlich Kleineres und Eigenwilligeres kennengelernt. Man fand Formate über Websites, Blogs, Empfehlungen und RSS-Feeds. Viele Podcasts waren sehr persönliche Projekte. Leute setzten sich vor ein Mikrofon und redeten über ein Thema, weil sie Lust darauf hatten und weil irgendwo da draußen vielleicht ein paar andere Menschen saßen, die genau diese Begeisterung teilten.

Zu meinen frühen Begleitern gehörte zum Beispiel „Stevinho Talks“ von Steve Krömer. Das Format existiert in unterschiedlichen Formen bis heute und stammt ebenfalls aus dieser frühen deutschen Podcast- und Gamingkultur. Später entdeckte ich den Whocast, den deutschen Podcast zu „Doctor Who“. Auch er sollte für meine eigene Podcastgeschichte noch wichtig werden.

Mit der Zeit hörte ich immer mehr. Podcasts waren irgendwann kein gelegentlicher Zeitvertreib für Bahnfahrten mehr, sondern mein eigentliches Hauptmedium. Ich hörte Gespräche und Unterhaltung, aber ebenso politische Formate, Reportagen, Berichte über Weltgeschehen und alles Mögliche dazwischen. Wenn andere vielleicht zuerst an YouTube, Fernsehen oder Radio dachten, dachte ich immer häufiger an Podcasts.

Bis heute ist das so geblieben.

Wenn man sehr viele Stunden mit einem Medium verbringt, beginnt man irgendwann zwangsläufig darüber nachzudenken, wie man es selbst machen würde. Zumindest war das bei mir so.

Ich wollte einen Podcast.

Meine erste Idee hatte allerdings überhaupt nichts mit Pokémon zu tun. Ich wollte einen Podcast über „Invader Zim“ machen.

Ich liebe „Invader Zim“ bis heute und hatte zunächst die Vorstellung, die Serie Folge für Folge zu besprechen. Je länger ich darüber nachdachte, desto weniger konnte ich mir allerdings vorstellen, wie dieser Podcast eigentlich funktionieren sollte. „Invader Zim“ ist schnell, absurd und vollgestopft mit Gags. Bei einem klassischen Besprechungspodcast sah ich mich irgendwann gedanklich nur noch dabei, zusammen mit einem Co-Host einen Witz nach dem anderen nachzuerzählen und anschließend zu erklären, warum er lustig ist.

Das erschien mir als ziemlich zuverlässige Methode, einen Witz möglichst schnell umzubringen.

Also verschwand der Invader-Zim-Podcast wieder in der Schublade, bevor jemals eine Folge aufgenommen wurde. Der Wunsch, selbst einen Podcast zu machen, blieb jedoch.

Und irgendwann lag die nächste Idee eigentlich ziemlich offensichtlich vor mir. Pokémon…

Ich war seit meiner Kindheit Pokémon-Fan, ich liebte Podcasts und ich wollte selbst einen machen. Also begann ich auch irgendwann zu schauen, was es zu Pokémon im deutschsprachigen Podcastbereich eigentlich gab. Zunächst ganz unschuldig mit der Absicht, dass ich selbst gerne einen Pokémon Podcast hören möchte. 

Ich fand vereinzelte ältere Projekte und Überreste bereits eingestellter Formate, aber nichts Aktives, das ungefähr dem entsprach, was ich selbst gerne hören wollte. Mir schwebte kein Podcast vor, der sich ausschließlich mit einem einzelnen Teil des Franchises beschäftigen sollte. Meine Vorstellung war wesentlich offener. Anime, Filme, Spiele, Neuigkeiten, Hintergründe, Diskussionen und eigentlich alles, worüber es sich rund um Pokémon zu reden lohnt, sollte irgendwann seinen Platz haben können. Ich erkannte: Niemand anderes macht den Podcast, den du selbst hören wollen würdest, also ist es nun scheinbar deine Aufgabe, diesen Podcast in Leben zu rufen. 

Für den Anfang brauchte dieser riesige Kosmos allerdings irgendeinen Einstiegspunkt. Also beschloss ich, zunächst die Pokémon-Filme in den Mittelpunkt zu stellen. Das gab dem Podcast eine Richtung, ohne ihn dauerhaft darauf festzulegen. Und ich brauchte jemanden, mit dem ich diese ersten Schritte gehen konnte. Dafür holte ich meine langjährige Freundin Mel mit ins Boot. Am 5. November 2018 erschien schließlich „Press Start“, die erste Folge von „Miauz Genau!“. In dieser Episode stellten Mel und ich uns vor, erzählten von unserer Verbindung zu Pokémon und luden die ersten Hörerinnen und Hörer zu einer Reise im Mauzi-Ballon ein. Bereits die zweite Folge beschäftigte sich mit „Pikachus Ferien“, kurz darauf folgten Mewtu, Detective Pikachu und weitere Themen.

Der Ballon war gestartet.

Damals konnte ich natürlich noch nicht wissen, wohin er einmal fliegen würde.

„Miauz Genau!“ entstand nicht im luftleeren Raum. Ich hatte bereits viele Jahre Podcasts gehört und entsprechend viele Vorstellungen davon gesammelt, was ich an diesem Medium mochte.

Eine wichtige Verbindung in dieser Anfangszeit entstand über meine zweite große Fandom-Leidenschaft: „Doctor Who“. Ich war damals stark im deutschen Doctor-Who-Fandom unterwegs und kannte darüber auch Raphael vom Whocast. Den Whocast hatte ich zuvor selbst lange als Hörer verfolgt. Das Format existiert bereits seit 2006 und feierte 2026 tatsächlich sein zwanzigjähriges Bestehen.

Raphael gehörte zu den Leuten, die mir in der Anfangszeit mit Rat und Tat zur Seite standen. Dabei ging es um technische Fragen, Empfehlungen und auch um die frühe Website von „Miauz Genau!“. Diese Unterstützung war für mich besonders wertvoll, weil sie genau dem entsprach, was ich an der damaligen Podcastszene mochte: Man machte zwar jeweils sein eigenes Ding, half sich aber gegenseitig und tauschte Erfahrungen aus.

Im Umfeld des Whocast und verschiedener befreundeter Podcasts gab es damals mit dem Podcast-Imperium ein Netzwerk. Es bot gemeinsame Infrastruktur, Austausch und gegenseitige Unterstützung. „Miauz Genau!“ war zu diesem Zeitpunkt noch nicht veröffentlicht, aber längst in Planung. Durch den Kontakt zu Raphael war schon früh klar, dass auch mein kleiner Pokémon-Podcast dort seinen Platz finden und von diesem Austausch profitieren würde. 

Der Podcast wurde direkt in das Netzwerk aufgenommen und fand sich kurz darauf auch auf der Website des Podcast-Imperiums wieder. Nicht jede gemeinsame Infrastruktur habe ich selbst genutzt, doch gerade der Austausch mit den anderen Podcastern war von Anfang an Teil dieser frühen Zeit.

Bis heute findet man „Miauz Genau!“ beispielsweise in den Empfehlungen auf der Website des Whocast neben Formaten wie „Dinge von Interesse“, „Der graue Rat“, „Hotel Hyperion“, „Kamehameha“ und „Sie Reden!“. Die Kontakte aus diesem Umfeld hinterließen ganz konkrete Spuren bei „Miauz Genau!“ selbst. Raphael vom Whocast war 2020 im Special zur 50. Folge, „Das Interview mit der Gans“, zu hören. Sascha Erler vom Podcast-Imperium wiederum lieh 2022 in der zweiten Episode meines Pokémon-Hörspiels „Geschichten eines Champions“ Professor Fuji seine Stimme.

Viele dieser Verbindungen sind heute deutlich loser als früher. Manche Podcasts, die im ehemaligen Podcast-Imperium eingebunden waren, existieren nicht mehr, manche Caster haben sich auseinandergelebt und das damalige Netzwerk ist längst keine geschlossene Gemeinschaft mehr. Allerdings haben erstaunlich viele einzelne Projekte aus diesem Verbund die Jahre bis heute überstanden. „Miauz Genau!“ ist eines davon.

Diese Herkunft erklärt wahrscheinlich auch etwas, das neuen Hörerinnen und Hörern bei „Miauz Genau!“ gelegentlich auffällt: die Titel.

Warum heißt eine Pokémon-Folge „Professor Eichs Flugdrohne“? Warum „Pizzen, Zubats, Mutationen“? Warum „Das Mysterium des Rundkopf-Pikachu“, „Kapitalismus und Knusperkekse“ oder „N und die fantastoröse Intrige“?

Die einfache Antwort lautet: weil ich Podcasts so mag.

Ich komme als Hörer aus einer Podcastzeit, in der Sendungen für mich häufig etwas Eigenwilliges hatten. Eine Folge musste nicht klingen wie das Ergebnis einer Keywordanalyse. Titel durften Insider sein, irgendeinen absurden Moment aus der Aufnahme aufgreifen oder erst dann ihren Sinn ergeben, wenn man die Folge tatsächlich gehört hatte.

Die heutige Podcastwelt ist sehr viel größer und professioneller geworden. Das hat viele Vorteile. Gleichzeitig haben sich Podcasts in manchen Bereichen der Logik anderer Plattformen angenähert. Titel sollen sofort erklären, Aufmerksamkeit erzeugen, in Suchmaschinen funktionieren und möglichst eindeutig vermitteln, warum man genau jetzt klicken sollte.

Ich verstehe diese Logik. Trotzdem möchte ich ihr nicht jeden Teil von „Miauz Genau!“ unterordnen. Ein bisschen von dieser alten Schrulligkeit möchte ich behalten.

Das gilt auch für die Länge einer Folge, den Aufbau oder die Frage, welches Thema überhaupt podcastwürdig ist. Ich mache „Miauz Genau!“ bis heute sehr stark nach der Vorstellung, wie ich selbst gerne Podcasts höre. Manche Folgen sind kurz und konzentriert, andere dauern mehrere Stunden. Manchmal geht es um eine aktuelle Ankündigung, manchmal um ein merkwürdiges Anime-Special. Gelegentlich entsteht aus einer kleinen Frage plötzlich eine komplette Recherche.

Schon relativ früh wurde klar, dass Pokémon viel zu groß ist, um sich dauerhaft nur entlang der Filme zu bewegen. Deshalb kamen Anime-Specials, Spiele, News usw dazu. Der Mauzi-Ballon flog immer weiter.

Mit den Jahren entstanden zusätzlich Formate, die bestimmte Ideen konsequenter verfolgen konnten als der Hauptpodcast.

2020 startete beispielsweise „Die Pausenglocke“, ursprünglich ein eigener Rewatch-Podcast, in dem Vanessa und ich „Disneys Große Pause“ Folge für Folge besprachen und die Geschichten der Serie mit unseren eigenen Erinnerungen an Schule und Schulhof verbanden. Jahre später entwickelte sich aus diesem Feed „Miauz Genau! Noise Gate“, ein freieres Format, in dem inzwischen sowohl Pokémon als auch persönliche, gesellschaftliche oder ganz andere Themen ihren Platz finden können.

Auch hier stecken Einflüsse aus Podcasts drin, die ich selbst gerne gehört habe. Das Noise-Gate-Format „Zwischenfunk“, in dem ich Fragen und Themen aus der Community aufgreife, ist beispielsweise von einer alten Idee inspiriert, die ich am BMZ Podcast von George Zaal mochte: einfach Fragen aus der Hörerschaft sammeln, Mikrofon einschalten und daraus eine Sendung entstehen lassen. Für mich gehören solche Einflüsse zu einer langen Podcasttradition, in der Formate und Ideen von Sendung zu Sendung wandern und dort etwas Eigenes werden.

2021 kam mit „Miauz Genau! Abgetaucht“ ein weiterer Ableger hinzu. Dort steht weniger die klassische Besprechung im Vordergrund, sondern eine konkrete Frage aus der Pokémon-Welt. Warum tragen so viele Trainer der ersten Generation Peitschen? Wie funktionieren Pokébälle? Existierte „Pokémon Z“ wirklich? Was hat es mit bestimmten Designs, Mythen oder scheinbaren Widersprüchen auf sich? Aus einer Frage wird Recherche, aus der Recherche eine Geschichte.

Daneben entstanden die Tagebuch-Podcasts zu neuen Spielen und mit „Geschichten eines Champions“ sogar eine eigene Hörspielreihe. Die erste große Episode erschien 2021 und führte eine Geschichte auf Grundlage von „Pokémon HeartGold & SoulSilver“ mit einem größeren Sprecherensemble weiter. Skript, Regie und Produktion wurden dabei zu einem völlig neuen Teil dessen, was aus dem ursprünglichen Podcastprojekt inzwischen geworden war. Auch hier steckt Inspiration aus dem alten Podcast-Kosmos mit drin: eines der Werke, worfür Stevinho, der Betreiber des Stevinho Talks Podcast bis heute am meisten bekannt ist, ist das WoW-Hörspiel Allimania. 

Wenn man sich heute das Lineup von „Miauz Genau!“ anschaut, stehen dort entsprechend mehrere Produktionen nebeneinander. Aus einem Podcast über Pokémon ist mit der Zeit eine kleine Sammlung verschiedener Audioformate geworden.

Das war nie als großes Medienkonzept am Reißbrett geplant. Es ist einfach Stück für Stück passiert.

Vielleicht ist das rückblickend die schönste Entwicklung.

Als ich damals mit meinem MP3-Player im Regionalzug saß und Podcasts hörte, waren die Menschen hinter diesen Stimmen für mich erst einmal einfach Podcaster. Ich hörte ihre Gespräche, ihre Witze und ihre Gedanken, während draußen Brandenburg und Berlin am Zugfenster vorbeizogen.

Jahre später saß ich selbst vor einem Mikrofon.

Dann hörten plötzlich andere Menschen meinen Podcast auf dem Weg zur Arbeit, in der Schule, beim Einschlafen, beim Autofahren oder beim Spielen. Einige schrieben Nachrichten. Manche tauchten immer wieder im Discord oder in Kommentaren auf. Aus Hörern wurden Bekannte, Gäste und teilweise Freunde. Um „Miauz Genau!“ entstand nach und nach eine eigene kleine Community.

Auch die Podcastlandschaft rund um Pokémon veränderte sich. Als „Miauz Genau!“ 2018 startete, gab es keinen keinen aktiven deutschsprachigen Pokémon-Podcast, der das Franchise in dieser Breite behandelte. Später kamen weitere Pokémon-Podcasts mit ganz unterschiedlichen Konzepten und Schwerpunkten hinzu. Genau so sollte eine lebendige Szene eigentlich funktionieren. Wenn andere Formate „Miauz Genau!“ erwähnten, wenn Menschen durch den Mauzi-Ballin dann selbst Lust aufs Aufnehmen bekamen, erinnerte mich das manchmal an die Podcastwelt, aus der ich selbst gekommen war. Früher hatte ich als Hörer erlebt, wie aus dem Umfeld bestehender Podcasts neue Sendungen entstanden. Wie aus Hörern eines Doctor Who Podcasts selbst Podcaster wurden. Und irgendwann konnte „Miauz Genau!“ scheinbar nun selbst für andere ein kleiner Teil einer solchen Kette sein.

Das ist ein schöner Gedanke.

Seit meinen ersten Bahnfahrten mit Podcasts hat sich das Medium massiv verändert. Podcasts sind heute überall. Große Medienhäuser produzieren sie, Prominente haben eigene Formate, Plattformen investieren Millionen und rund um Reichweite, Werbung, Charts, Clips und Vermarktung ist eine professionelle Industrie entstanden.

Ich habe grundsätzlich nichts dagegen, dass Podcasts groß geworden sind. Schließlich liebe ich dieses Medium und freue mich darüber, wie viele unterschiedliche Sendungen heute möglich sind.

Trotzdem gibt es etwas aus der früheren Podcastkultur, das ich mir gerne bewahren möchte.

Die Freiheit, eine Folge so lang werden zu lassen, wie das Thema es verlangt. Die Freiheit, einen völlig bescheuerten Titel zu wählen, weil er nach zwei Stunden Aufnahme plötzlich perfekt erscheint. Die Freiheit, sich für eine vermeintlich winzige Frage zu interessieren und daraus eine halbe Recherche-Dokumentation über Pokémon zu bauen. Ebenso gehört für mich dazu, dass ein Podcast eine erkennbare Persönlichkeit haben darf und nicht jede Entscheidung zuerst danach bewertet werden muss, ob sie einen Algorithmus glücklich macht.

Vielleicht ist „Miauz Genau!“ gerade deshalb über all die Jahre immer größer geworden, ohne seinen Ausgangspunkt vollständig hinter sich zu lassen.

Der Podcast hat sich verändert. Ich habe mich verändert. Menschen sind gekommen, manche sind wieder gegangen. Formate entstanden, verschwanden oder bekamen ein zweites Leben. Aus Filmreviews wurden Animebesprechungen, Newsrunden, Interviews, Recherchen, Spieltagebücher und Hörspiele.

Aber der grundlegende Gedanke ist erstaunlich ähnlich geblieben.

Ich setze mich vor ein Mikrofon und beschäftige mich ausführlich mit Dingen, für die ich mich begeistern kann. Im besten Fall sitzt irgendwo jemand mit Kopfhörern, der genau darauf gerade ebenfalls Lust hat.

Eigentlich war es damals im Regionalzug auch nicht anders.

Am 5. November 2018 begann „Miauz Genau!“ offiziell mit Mel und mir und einer kleinen Vorstellungsrunde im Mauzi-Ballon. Aus diesem Anfang sind inzwischen weit über hundert reguläre Folgen sowie zahlreiche Specials, Tagebücher und Ableger entstanden. Der Podcast beschäftigt sich längst mit Anime, Spielen, Manga, Recherchethemen, Interviews und vielen anderen Ecken des Pokémon-Franchises.

Wenn ich heute zurückblicke, beginnt diese Geschichte für mich trotzdem weder 2018 noch vor einem Mikrofon.

Sie beginnt irgendwo zwischen einem Game Boy und meiner Mutter, die mir die Texte vorliest. Sie führt über viel zu viele Stunden „World of Warcraft“, einen Regionalzug, der nur einmal pro Stunde kommt, und einen Jugendlichen mit sehr viel Zeit und irgendetwas auf den Ohren. Dann kommen Doctor Who, seltsame alte Podcasts, ein nie produzierter Invader-Zim-Cast, Mel, der Mauzi-Ballon und irgendwann all die Menschen hinzu, die „Miauz Genau!“ über die Jahre begleitet haben.

So ist aus einem Podcastwunsch mein eigenes kleines Stück Podcastgeschichte geworden.

Und solange der Mauzi-Ballon noch irgendwo am Himmel herumfliegt, ist diese Geschichte wohl auch noch nicht fertig.