Interview mit Dr. Rebecca Haar & Steffen Volkmer (Panini) in Textform

In der am 20. März 2022 veröffentlichten Folge 84 von Miauz Genau! sind Dr. Rebecca Haar und Steffen Volkmer von Panini Comics zu Gast. Während Rebecca Haar als Produktmanagerin unter anderem die Manga-Sparte und die Veröffentlichung der Pokémon-Manga betreut, ist Steffen Volkmer als Press- und PR-Manager sowie Senior Editor für den Verlag tätig. Im Interview-Special „Manga-Talk mit Panini“ spricht Dominik mit ihnen über die Anfänge der Pokémon-Manga bei Panini, den Arbeitsalltag hinter den Veröffentlichungen und die Entscheidungen, die in die Gestaltung besonderer Produkte einfließen. Außerdem erklären die beiden, wie sich die Arbeit an Manga und Comics unterscheidet.

Auf dieser Seite findest du das Gespräch als redaktionell aufbereitetes Transkript zum Nachlesen. Die Podcast-Episode bleibt die vollständige Originalfassung, diese Textversion dient als ergänzende Möglichkeit, das Interview in Ruhe zu lesen, bestimmte Stellen wiederzufinden oder einzelne Aussagen leichter nachzuschlagen.

Da das Interview in Textform eine beachtliche Länge hat, ist es hier in ein Akkordeon-Element eingeklappt.

Dominik:
Panini deckt ein sehr breites Portfolio ab. Viele Menschen verbinden den Verlag vor allem mit Sammelstickern, aber auch Comics von Marvel und DC, Magazine, Bücher und inzwischen natürlich Pokémon-Manga gehören dazu. Mit wem habe ich es heute zu tun, und welche Aufgaben übernehmt ihr bei Panini?

Steffen Volkmer:
Mein Name ist Steffen Volkmer. Ich bin bei Panini zum einen für die Pressearbeit im Comicbereich zuständig. Außerdem organisiere ich die Messeauftritte und betreue als Redakteur einige Produkte.

Redaktionell liegen bei mir vor allem Alben, Fantasy und Graphic Novels. Pokémon gehört nicht unmittelbar zu meinem redaktionellen Aufgabenbereich, aber als Presseverantwortlicher für den gesamten Comicbereich muss ich mich natürlich mit allen Themen zumindest ein wenig auskennen und darüber sprechen können. Deshalb bin ich heute hier und habe mir mit Frau Dr. Rebecca Haar Unterstützung geholt. Sie ist für das Produktmanagement im Mangabereich zuständig.

Dr. Rebecca Haar:
Ich übernehme das Produktmanagement unter anderem für Graphic Novels, Comics und Manga. Mein Portfolio ist also ebenfalls sehr breit.

Ich organisiere die Abläufe und achte darauf, wann welche Aufgaben erledigt werden müssen, damit die Manga rechtzeitig im Handel erscheinen können. Wir überlegen gemeinsam, welche Manga wir veröffentlichen und wie wir beispielsweise bei Pokémon weitermachen können. Dabei beschäftigen wir uns auch mit möglichen Sondereditionen.

Außerdem kümmere ich mich um das Marketing für die Produkte und stehe mit Magazinen, Zeitschriften und anderen Medien in Kontakt. Bei Messen bin ich ebenfalls vor Ort. 2017 war ich zum Beispiel bei der Mega Manga Convention in Berlin dabei, als wir die Pokémon-Schöpfer Hidenori Kusaka und Satoshi Yamamoto zu Gast hatten.

Steffen Volkmer:
Wenn wir draußen Fans treffen, wissen diese natürlich meistens, was wir machen. Fragt man dagegen andere Menschen auf der Straße, womit sie Panini verbinden, nennen ungefähr 99 Prozent bis heute die Sammelbilder und vor allem die Fußballsticker. Viele von uns haben diese Bilder irgendwann selbst gesammelt und auf dem Schulhof getauscht.

Das ist international weiterhin das Hauptgeschäftsfeld von Panini. Der Konzern ist weltweit tätig. Daneben hat sich im Laufe der Zeit ein Verlagswesen entwickelt, das weitere Sammelprodukte, Magazine, Bücher und Comics herausbringt. Dazu gehören auch Magazine, denen bestimmte Extras beiliegen. Wir veröffentlichen beispielsweise das Pokémon-Magazin.

Im Comicbereich sind wir einer der größten Verlage Deutschlands. Wenn man den monatlichen Ausstoß betrachtet, sind wir möglicherweise sogar der größte. In den Bereichen Comics, Manga, Periodika und Alben erscheinen bei uns zwischen 40 und 50 Neuheiten pro Monat. Das ist sehr viel.

Einen großen Teil davon machen Marvel und DC aus. Wir haben das Glück, beide Superheldenuniversen unter einem Dach zu haben. Dazu kommen unter anderem Star-Wars-Comics, Alben, Graphic Novels und ein breit aufgestellter Mangabereich. Dieser Bereich ist innerhalb des Gesamtverlages kleiner, aber sehr fein. Wir versuchen, ihn weiter auszubauen. Pokémon gehört dort zu den absoluten Spitzentiteln.

Dominik:
Wie begann die Veröffentlichung von Pokémon-Manga bei Panini? Den Anfang machte 2013 die Reihe „Pokémon Schwarz und Weiß“. Zuvor waren allerdings bereits andere Pokémon-Produkte und sogar einige Manga erschienen.

Dr. Rebecca Haar:
Das liegt inzwischen schon einige Jahre zurück und lässt sich deshalb nicht mehr bis ins kleinste Detail rekonstruieren. Bereits 2001 waren in Deutschland drei Bände von „Pokémon Adventures“ erschienen. Danach wurde eine längere Zeit nichts mehr veröffentlicht.

2007 kam das Pokémon-Magazin hinzu. Darüber konnten sich wahrscheinlich bereits bestimmte Strukturen und Kontakte festigen. Als die entsprechenden Manga-Lizenzen verfügbar wurden, lag es nahe, dass wir uns darum bemühten.

Natürlich versuchen wir grundsätzlich, alle Lizenzen zu bekommen, die für uns interessant sind. Ob wir sie am Ende tatsächlich erhalten, ist eine andere Frage. Bei Pokémon waren durch das Magazin vermutlich bereits gute Voraussetzungen vorhanden.

Steffen Volkmer:
Beim Pokémon-Magazin spielt der Sammelgedanke eine besonders große Rolle. Es liegen beispielsweise Sammelkarten oder andere Extras bei. Panini hat außerdem immer wieder Pokémon-Stickeralben veröffentlicht, wenn sich eine passende Gelegenheit ergeben hat.

Soweit ich weiß, wird in jeder Magazinausgabe auch eine Episode der Fernsehserie beziehungsweise ein darin vorkommendes Pokémon vorgestellt. Wer die Ausgaben sammelt, bewegt sich dadurch automatisch in diesem typischen Pokémon-Sammelbereich.

Bei den Manga steht dieser Aspekt meiner Meinung nach weniger im Vordergrund. Dort sind vor allem die Erzählungen und Abenteuer entscheidend.

Dr. Rebecca Haar:
Die Manga erzählen häufig von einem oder zwei Trainern, die sich auf eine Abenteuerreise begeben, neue Pokémon entdecken und ihre Fähigkeiten verbessern wollen. In unterschiedlichen Varianten taucht diese Grundstruktur immer wieder auf. Ich finde faszinierend, dass sich aus einer ähnlichen Ausgangslage stets neue und spannende Geschichten entwickeln können.

Als wir erfuhren, dass die Lizenz verfügbar war, dachten wir, dass wir es ausprobieren müssten. Deshalb entschieden wir uns 2013 für „Pokémon Schwarz und Weiß“.

Wir wählten für den ersten Band direkt eine relativ hohe Auflage. Die Reihe sollte ähnlich wie das Magazin nicht nur im spezialisierten Comicbereich sichtbar sein. Wer das Magazin kaufte, sollte die Möglichkeit haben, den Manga ebenfalls im Buchhandel, Bahnhofsbuchhandel oder Comicshop zu entdecken. Im Magazin schalteten wir entsprechende Anzeigen.

Die Veröffentlichung wurde beinahe sofort zu einem Erfolg. Pokémon gehört für uns im Mangabereich bis heute zu den stärksten Titeln.

Dominik:
Hat sich „Pokémon Schwarz und Weiß“ also von Beginn an als Zugpferd erwiesen, oder musste sich die Reihe zunächst etablieren?

Dr. Rebecca Haar:
Es dauert natürlich immer eine gewisse Zeit, bis sich unter den Fans herumspricht, dass eine neue Veröffentlichung existiert. Die Manga waren damals für viele Menschen neu. Grundsätzlich startete die Reihe aber gut.

Verglichen mit den heutigen Verkaufszahlen läuft Pokémon inzwischen noch einmal wesentlich besser. Der gesamte Mangamarkt wächst momentan sehr stark. Wir bemerken, dass sich zunehmend auch Leserinnen und Leser für Manga interessieren, die vorher wenig damit zu tun hatten.

Die Auflagen der Pokémon-Manga steigen. Besonders die ersten Bände von „Pokémon – Die ersten Abenteuer“, mit deren Veröffentlichung wir 2016 begonnen haben, müssen wir immer wieder nachdrucken. Das Interesse ist ungebrochen, was mich sehr freut.

Steffen Volkmer:
Im Grunde ist jedes neue Produkt zunächst ein Experiment. Wäre Erfolg vollständig planbar, wäre das einerseits sehr angenehm, andererseits aber auch etwas langweilig.

Es gibt natürlich Parameter, anhand derer man im Vorfeld abschätzen kann, wie wahrscheinlich ein Erfolg ist. Bei Pokémon waren diese Voraussetzungen durchaus vorhanden. Das Magazin verkaufte zum Zeitpunkt des Interviews meines Wissens noch immer zwischen 40.000 und 50.000 Exemplaren pro Ausgabe. Das ist für den heutigen Zeitschriftenmarkt enorm.

Wie hoch die Zahlen zu Beginn der Manga-Veröffentlichungen waren, weiß ich nicht mehr. Sie dürften aber ebenfalls sehr gut gewesen sein. Deshalb konnten wir davon ausgehen, dass die Manga funktionieren würden, wenn wir auch nur annähernd an diesen Erfolg herankämen.

Bei solchen Experimenten gibt es trotzdem immer ein mögliches Ausstiegsszenario. Häufig sagt man, dass man zunächst drei Ausgaben ausprobiert. Bei einer Miniserie kann man gleich die gesamte abgeschlossene Reihe lizenzieren.

„Pokémon Schwarz und Weiß“ bestand aus einer überschaubaren Zahl von neun Bänden. Wir hatten also eine gute Ausgangsposition und ein klar begrenztes Portfolio. Wenn man nach dem dritten oder vierten Band erkennt, dass eine Reihe sehr gut läuft, schaut man sich natürlich bereits um und überlegt, was danach folgen könnte.

Dominik:
Wie läuft der Erwerb einer solchen Manga-Lizenz ab? Welche Rolle spielen dabei The Pokémon Company und die japanischen Originalverlage?

Steffen Volkmer:
Lizenzgeschäfte funktionieren bei Comics grundsätzlich ähnlich. Die Rechte werden entweder über Lizenzagenturen oder direkt durch die zuständigen Abteilungen der Verlage angeboten.

Es gibt bestimmte Orte, an denen sich die Beteiligten treffen. Das sind häufig Messen und andere internationale Branchenveranstaltungen. Dort werden neue Lizenzen vorgestellt, und die interessierten Verlage bewerben sich darum. Man erstellt ein Proposal und erklärt, warum man eine bestimmte Lizenz erwerben und wie man sie auswerten möchte.

Manchmal entdeckt man selbst ein interessantes Werk und recherchiert anschließend, wer die Rechte anbietet. Dann fragt man direkt bei den jeweiligen Stellen an.

Wie es bei Pokémon damals im Detail lief, weiß ich nicht mehr. Ich vermute aber, dass erneut die bereits bestehende Verbindung durch das Magazin eine Rolle spielte. Wahrscheinlich fragte irgendwann eine der beiden Seiten, wie es mit den Manga aussehe.

Dr. Rebecca Haar:
Es ist tatsächlich so lange her, dass ich den genauen Anfang ebenfalls nicht mehr rekonstruieren kann. Ich weiß nur noch, dass die Manga irgendwann im Gespräch waren. Wir überlegten, ob wir sie ausprobieren sollten, weil das Magazin bereits gut funktionierte.

Wir mussten dabei auch herausfinden, wie die Zusammenarbeit mit dem Originalverlag und die Freigabeprozesse funktionieren würden. Außerdem stellte sich die Frage, welche Reihen bei den deutschen Leserinnen und Lesern besonders gut ankommen und wie man die verschiedenen Geschichten sinnvoll miteinander verbinden kann.

Im Grunde läuft dieser Prozess bis heute weiter. Entweder betrachtet man jede Veröffentlichung als Experiment, oder man sagt, dass überall ein gewisses Kalkül dahintersteht. Natürlich hoffen wir bei jedem Produkt, dass es sich gut verkauft. Wäre das vollständig vorhersehbar, hätten wir allerdings nur Bestseller.

Steffen Volkmer:
Freigaben, die sogenannten Approvals, gibt es bei fast allen Lizenzen. Manche Rechteinhaber machen sehr strenge Vorgaben, andere sind offener. Das hängt teilweise davon ab, wie lange man bereits zusammenarbeitet und ob ein Vertrauensverhältnis entstanden ist.

Wir haben englische Verlage, die von uns kaum noch etwas sehen wollen, weil sie wissen, dass wir gute Arbeit abliefern. Dort interessiert es manchmal nicht einmal besonders, ob wir ein eigenes Vorwort oder redaktionelle Beiträge ergänzen.

In das eigentliche Artwork darf man natürlich grundsätzlich nicht eingreifen. Darüber hinaus sind die Freigabeprozesse bei manchen Partnern aber relativ unkompliziert.

Bei japanischen Lizenzgebern ist es im Allgemeinen so, dass die Veröffentlichung sehr nah am Original bleiben soll. Bei den Covern gibt es wenig Spielraum, und an den Inhalten darf man ohnehin nichts verändern. Die Manga sollen übersetzt und anschließend möglichst originalgetreu veröffentlicht werden. Hält man sich daran, gibt es normalerweise keine größeren Probleme.

Dr. Rebecca Haar:
Man muss vor allem ausreichend Zeit einplanen. Bei manchen englischen Verlagen schreiben wir eine E-Mail und erhalten spätestens am nächsten Tag die Freigabe.

Bei Pokémon gibt es dagegen ein eigenes System. Die Materialien werden hochgeladen, und anschließend gilt ein bestimmter Bearbeitungszeitraum. Dieser Zeitraum wird normalerweise vollständig ausgenutzt. Wir können dort keine Freigabe von heute auf morgen erwarten.

Das ist grundsätzlich kein Problem. Wir müssen es nur bei der Planung berücksichtigen und zusätzlich einen Puffer einbauen, falls Änderungen verlangt werden.

Dominik:
Gab es bei der Arbeit an den Pokémon-Manga besondere Probleme oder Hürden?

Steffen Volkmer:
Schwieriger wird es bei Manga generell immer dann, wenn man etwas machen möchte, das nicht bereits im ursprünglichen Comic enthalten ist. Das beginnt bei selbst gestalteten Anzeigen und reicht bis zu Extras oder Sondereditionen für Messen.

Die Lizenzgeber gehen sehr sorgfältig mit ihren Marken um. Meistens lassen sich solche Projekte umsetzen, aber der Vorlauf wird wesentlich länger. Man muss sehr früh erklären, was man plant, wie das Produkt aussehen soll und welche Materialien verwendet werden.

Bei Pokémon gab es zum Jubiläum beispielsweise eine Sonderedition. Dafür mussten die Planungen und Freigaben ebenfalls sehr früh beginnen.

Dr. Rebecca Haar:
Wir haben den ersten Handlungsbogen von „Pokémon – Die ersten Abenteuer“ in einer besonderen Schuberausgabe veröffentlicht. Die ursprünglichen sieben Bände wurden dafür in drei größere Bände zusammengefasst. Dazu kamen ein gestalteter Schuber und sieben Postkarten mit Covermotiven.

Ein solches Produkt muss sehr früh geplant werden. Wir erstellen halbjährlich eine Programmvorschau, in der wir ankündigen, was im kommenden Halbjahr erscheinen soll. Bei Manga müssen teilweise sogar die entsprechenden Katalogseiten zur Freigabe eingereicht werden. Der Lizenzgeber möchte sehen, was wir ankündigen und ob es den Absprachen entspricht.

Auch für den Pokémon-Schuber mussten wir zunächst eine Coverdarstellung erstellen und separat freigeben lassen, bevor wir sie überhaupt öffentlich zeigen durften. The Pokémon Company achtet sehr genau darauf, dass Pokémon für eine bestimmte Qualität und Darstellung steht. Genau das müssen wir mit unseren Produkten liefern.

Ich würde diese Abläufe nicht unbedingt als Hürden bezeichnen. Wenn man die notwendige Zeit einplant, fallen sie im normalen Arbeitsprozess kaum noch ins Gewicht. Man sollte nur nicht versuchen, spontan innerhalb einer Woche ein neues Produkt oder eine besondere Aktion umzusetzen.

Steffen Volkmer:
Es sind insofern Hürden, als die Lizenz sehr stark geschützt wird und alles genau geprüft werden muss. Bei anderen Verlagen oder anderen Lizenzen sind die Vorgaben manchmal lockerer, sodass man kurzfristiger handeln kann.

Wenn man beispielsweise innerhalb von zwei Tagen eine Anzeige benötigt, kann man sie bei manchen Partnern einfach gestalten, einreichen und anschließend schnell verwenden. Bei japanischen Lizenzen und einigen anderen besonders streng kontrollierten Marken wäre das riskant. Würde man eine Anzeige erst nachträglich freigeben lassen wollen, könnte man sich erheblichen Ärger einhandeln.

Dabei handelt es sich aber nicht um Schikane. Die Vorgaben entstehen durch interne Abläufe und den Wunsch, die Marke zu schützen. Als Verlag muss man sich auf den jeweiligen Lizenzgeber einstellen.

Ein gutes Beispiel ist der Besuch von Hidenori Kusaka und Satoshi Yamamoto bei der Mega Manga Convention in Berlin. Für diesen Auftritt musste sehr genau definiert werden, welchen Rahmen das Programm haben würde, was die Gäste machen sollten und was nicht vorgesehen war.

Das kennt man auch von anderen japanischen Künstlerinnen und Künstlern. Teilweise gibt es keine offenen Signierstunden. Stattdessen finden Veranstaltungen in geschlossenen Räumen statt, zu denen nur eine begrenzte Anzahl von Menschen Zutritt hat. Manchmal müssen die Besucher sogar ihre Mobiltelefone abgeben. Bei unseren Gästen war es nicht ganz so streng, aber der Ablauf musste trotzdem klar festgelegt werden.

Sie hatten außerdem eine Betreuung des japanischen Verlages dabei, die ein wenig wie ein Tourmanager auf die Abläufe achtete und auch bei der Übersetzung half.

Für meine damalige YouTube-Sendung „Panini Comics TV“ führte ich spontan ein Interview mit dem Autor und dem Zeichner. Die beiden und ihre Betreuung hatten dem Gespräch zugestimmt. Trotzdem dauerte es anschließend sehr lange, bis wir die endgültige Erlaubnis erhielten, das Interview tatsächlich auf YouTube zu veröffentlichen.

Offenbar war ein solches Interview im ursprünglichen Ablauf nicht vorgesehen. Zwischenzeitlich dachte ich, dass wir überhaupt keine Freigabe bekommen würden. Am Ende hat es glücklicherweise funktioniert.

Dominik:
Gibt es bei Pokémon konkrete Gestaltungsregeln, ähnlich wie die Vorgabe, dass Pikachus Ohren auf einem Motiv nicht abgeschnitten werden dürfen?

Steffen Volkmer:
Der Umgang mit Artworks ist bei allen Lizenzen sensibel. Das gilt für Superhelden ebenso wie für Pokémon.

Wir erhalten nur selten einzelne freigestellte Figuren, die wir beliebig für eigene Gestaltungen verwenden dürfen. Meistens arbeiten wir mit vollständigen Covern, die nach Möglichkeit auch als Ganzes gezeigt werden sollen.

Gerade bei japanischen Produkten gibt es sehr umfangreiche Richtlinien. Man bekommt bildlich gesprochen eine Bibel, die ungefähr viermal so dick wie eine gewöhnliche Bibel ist. Darin steht genau, was mit den Figuren gemacht werden darf und was nicht.

Deshalb können auch Anzeigen, Poster oder Flyer einen langen Freigabeprozess erfordern. Mit zunehmender Erfahrung entwickelt man natürlich eine gewisse Routine.

Dominik:
Nach „Pokémon Schwarz und Weiß“ und „Pokémon X und Y“ habt ihr 2016 mit „Pokémon – Die ersten Abenteuer“ begonnen. Einige Bände dieser Reihe waren bereits 2001 bei einem anderen Verlag erschienen. Warum habt ihr euch für eine vollständig neue Übersetzung entschieden?

Steffen Volkmer:
Der damalige Verlag war Egmont beziehungsweise Ehapa. Im Comicbereich kommt es häufig vor, dass ältere Werke neu veröffentlicht werden. Dabei gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten.

Man kann die vorhandene Übersetzung erwerben. Auch eine Übersetzung ist ein urheberrechtlich geschütztes Werk. Man müsste sich deshalb an den früheren Verlag oder an die damalige Übersetzerin beziehungsweise den Übersetzer wenden.

Das ist sinnvoll, wenn die alte Übersetzung eine besondere und unverwechselbare Qualität besitzt, die man unbedingt erhalten möchte.

Bei „Pokémon – Die ersten Abenteuer“ ging die Reihe jedoch weit über die wenigen Bände hinaus, die zuvor in Deutschland erschienen waren. Deshalb war es sinnvoller, alles neu übersetzen zu lassen. Idealerweise arbeitet man langfristig mit derselben Person zusammen, damit die gesamte Reihe einen einheitlichen Ton erhält.

Jede Übersetzerin und jeder Übersetzer besitzt einen eigenen Stil. Außerdem verändert sich Sprache überraschend schnell. Manche Übersetzungen wirken bereits nach fünf Jahren nicht mehr ganz aktuell, nach zehn oder mehr Jahren erst recht.

Es kann deshalb besser sein, jemanden mit einem heutigen Sprachgefühl zu beauftragen, der außerdem eine besondere Affinität zum Thema besitzt. Wir suchen bei freien Übersetzerinnen, Übersetzern und Redaktionskräften gezielt nach Menschen, die sich mit dem jeweiligen Inhalt auskennen.

Auch Fernsehserien entwickeln eine eigene Sprache. Es hilft sehr, wenn jemand mit der Materie vertraut ist und das richtige Wording beherrscht. Eine alte Übersetzung müsste häufig so umfassend überarbeitet werden, dass eine vollständige Neuübersetzung letztlich einfacher ist.

Dr. Rebecca Haar:
Pokémon besitzt einen sehr eigenen Sprachgebrauch. Bestimmte Bezeichnungen sind vorgeschrieben. Dazu gehören auch genaue Schreibweisen und die Frage, wo beispielsweise Leerzeichen gesetzt werden.

Durch eine vollständige Neuübersetzung kann alles auf den aktuellen Stand gebracht werden. Dadurch sinkt die Gefahr, dass beim Redigieren versehentlich eine veraltete oder falsche Formulierung stehen bleibt.

Wir arbeiten bei Pokémon mit Übersetzerinnen und Übersetzern zusammen, die sich teilweise seit vielen Jahren mit dem Thema beschäftigen. Wir erwarten auch, dass sie sich fortlaufend über die aktuellen Bezeichnungen informieren, damit alle Inhalte aufeinander abgestimmt sind.

Dominik:
Haben sich die Produktionsabläufe bei Pokémon im Laufe der Jahre verändert oder verbessert?

Dr. Rebecca Haar:
Im Grundsatz funktionieren die Abläufe seit dem Anfang ähnlich. Pokémon waren schließlich nicht die ersten Manga, die wir produziert haben.

Allgemein verbessert sich die Arbeit dadurch, dass ein Team immer eingespielter wird. Man weiß irgendwann genau, wann die Grafikerin oder der Grafiker welche Materialien benötigt, wann eine Übersetzung beauftragt werden muss und wie viel Zeit dafür einzuplanen ist.

Bei Pokémon entsteht teilweise ein größerer Rechercheaufwand als bei Manga, die eine vollkommen eigenständige Geschichte erzählen und nicht auf einem bereits existierenden Universum beruhen. Die Terminologie und Erzählweise müssen innerhalb des gesamten Pokémon-Kosmos konsistent bleiben.

Mit jedem neuen Manga wird die Zusammenarbeit routinierter. Bestimmte Dinge müssen nicht mehr jedes Mal neu besprochen werden. Das gilt nicht nur für Pokémon oder Manga, sondern ebenso für Graphic Novels, Alben und andere Comics.

Steffen Volkmer:
Man darf sich die Arbeit nicht so vorstellen, dass bei Panini eine abgeschlossene Gruppe von Pokémon-Verantwortlichen sitzt und alles intern erledigt. Bei unseren vielen unterschiedlichen Produkten arbeiten wir sehr viel mit freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Dadurch können wir gezielt das notwendige Fachwissen für einzelne Inhalte einbinden. Wir können nicht für jedes Produkt eine fest angestellte Person beschäftigen, die auf genau dieses Thema spezialisiert ist.

Wir suchen im freien Bereich nach geeigneten Übersetzerinnen, Übersetzern, Redakteurinnen und Redakteuren. Diese Personen arbeiten zunächst miteinander und liefern ihre Ergebnisse anschließend an die internen Redaktionen.

Die interne Redaktion steuert den gesamten Ablauf. Sie entscheidet, wann welcher Arbeitsschritt beginnen muss, beauftragt die freien Kräfte, verfolgt die Termine, organisiert die Freigaben, führt am Ende alle Bestandteile zusammen und übergibt das fertige Produkt an die Druckerei.

Redaktion und Marketing steuern die Zeitplanung im Haus, während viele konkrete Aufgaben außerhalb des Verlages erledigt werden. Danach werden alle Elemente wieder zusammengeführt.

Bei der großen Bandbreite unserer Veröffentlichungen müssten wir sonst ungefähr 100 unterschiedliche Fachredaktionen beschäftigen. Das wäre nicht möglich. Natürlich achten wir trotzdem darauf, dass die intern Verantwortlichen eine gewisse Affinität zu ihren Themen haben. Einige Kolleginnen und Kollegen arbeiten vorwiegend im Mangabereich, andere eher mit Superhelden. Die Zuständigkeiten bleiben aber meistens übergreifend.

Dominik:
Gibt es im Panini-Team ausgesprochene Pokémon-Fans, oder steht eher die allgemeine Leidenschaft für Comics und Manga im Vordergrund?

Steffen Volkmer:
Es ist vor allem die Leidenschaft für das Medium an sich. Gleichzeitig entwickelt man automatisch eine gewisse Begeisterung für ein Produkt, wenn man längere Zeit damit arbeitet.

Wir achten bereits bei der Auswahl der Beteiligten darauf, dass sie eine Affinität zu einem Thema haben. Im Idealfall sind sie sogar Fans davon. Es kann allerdings auch problematisch sein, wenn ausgerechnet der größte Fan an einem Produkt arbeitet, weil dadurch manchmal die notwendige Objektivität verloren geht.

Eines der ersten Dinge, die man bei der professionellen Arbeit mit Comics lernt, ist, dass die eigenen Lieblingstitel nicht automatisch den Geschmack des gesamten Publikums treffen.

Fans fragen uns häufig: „Warum veröffentlicht ihr nicht diese oder jene Reihe? Ich möchte sie unbedingt lesen.“ Dann fragt man: „Wer noch?“ Darauf kommt vielleicht die Antwort: „Ich kenne mindestens zwei weitere Menschen.“ Dann sind es insgesamt drei Interessierte, was für eine wirtschaftlich tragfähige Veröffentlichung leider nicht reicht.

Wir halten trotzdem ständig Kontakt zu den Fans. Das geschieht über soziale Medien, Messen und viele andere Wege. Wir möchten wissen, welche Themen gefragt sind und was die Leserinnen und Leser gern hätten. Natürlich versuchen wir, darauf einzugehen. Trotzdem kann man mit einer Einschätzung auch einmal danebenliegen.

Bei den Superhelden gibt es beispielsweise seit Jahren Fans, die immer wieder mehr „Daredevil“ fordern. Es gab Petitionen und viele Rückmeldungen. Wir haben im Laufe der Jahre aber bereits sehr viel „Daredevil“ veröffentlicht, und die Reihe gehörte häufig zu den schwächsten Titeln.

Trotzdem probieren wir es immer wieder. Dann heißt es, wir hätten nur die falsche Geschichte ausgewählt und müssten eine andere veröffentlichen. Wir versuchen es erneut, aber am Ende zeigt sich oft wieder, dass die lautstarken Fans ihre Exemplare zwar kaufen, die Gesamtzahl der Interessierten aber nicht ausreicht.

Als Verlag kann man nicht ausschließlich Produkte veröffentlichen, mit denen man rote Zahlen schreibt. Einzelne Projekte lassen sich als Fanservice rechtfertigen. Häufig entstehen die roten Zahlen bei Experimenten allerdings ohnehin ganz von selbst, bevor irgendwann wieder ein großer Erfolg folgt.

Man muss deshalb lernen, das eigene Fantum mit den realen Verkaufszahlen zu vergleichen. Auf meinem Tisch lagen schon sehr viele Comics und Serien, die ich persönlich wahnsinnig gern bei Panini gesehen hätte. Gleichzeitig wusste ich, dass sich eine Veröffentlichung wirtschaftlich niemals rechnen würde.

Diese professionelle Distanz entwickelt sich erst mit der Zeit. Deshalb ist es nicht immer sinnvoll, wenn der größte Fan die Verantwortung für das jeweilige Produkt übernimmt.

Dr. Rebecca Haar:
Die kritische Distanz ist entscheidend. Auch wenn man ein Produkt durch die Arbeit sehr lieb gewinnt, muss man sich immer wieder fragen, ob die eigene Einschätzung wirklich objektiv ist oder ob man gerade ausschließlich durch die Augen eines Fans darauf blickt.

Im Privatleben kann man der allergrößte Fan einer Sache sein. Während der Arbeit muss man sich dagegen einen neutraleren Blick bewahren.

Kenntnis des Themas ist natürlich sehr hilfreich. Man kann dann früh erkennen, wenn etwas falsch ist oder nicht zur Vorlage passt. Trotzdem darf das eigene Fantum nicht jede Entscheidung bestimmen.

Steffen Volkmer:
Auch deshalb ist die Zusammenarbeit mit freien Kräften so sinnvoll. Dort können Menschen beteiligt sein, die wirklich sehr tief in einem Thema stecken. In den zentralen Teams des Verlages versuchen wir dagegen, zusätzlich die notwendige Neutralität einzubringen.

Manchmal schreibt ein besonders begeisterter Fan etwas in einen Text, weil er es kürzlich entdeckt hat und unbedingt unterbringen möchte. Als Redakteur muss man dann fragen, ob diese Information an der betreffenden Stelle überhaupt sinnvoll ist.

Solche Fanansätze muss man gelegentlich wieder in die richtige Richtung lenken. Bei Pokémon kommt das weniger häufig vor, bei anderen Themen aber durchaus.

Dominik:
Die bisher von Panini veröffentlichten Pokémon-Manga gehören im Wesentlichen zu einer großen, zusammenhängenden Reihe, die in unterschiedliche Handlungsbögen gegliedert ist. In Japan existieren aber noch viele weitere Pokémon-Manga. Könnten künftig auch andere Reihen bei euch erscheinen?

Steffen Volkmer:
Darauf kann ich mit einem klaren Jain antworten.

Wenn eine Reihe erfolgreich ist, versucht man natürlich, den Erzählkosmos zu erweitern. Der deutsche Comic- und Mangamarkt ist im internationalen Vergleich aber weiterhin relativ klein und überschaubar. Er verträgt nur eine begrenzte Anzahl parallel erscheinender Titel.

Bei Pokémon kann ich mir gut vorstellen, dass wir das Programm künftig erweitern, weil die bisherigen Veröffentlichungen sehr erfolgreich sind. Trotzdem müssen viele strategische Fragen beantwortet werden.

Wie viele Reihen können gleichzeitig bestehen? Ist es sinnvoller, einen neuen Manga parallel zu veröffentlichen oder erst nach dem Abschluss einer anderen Reihe? Wie umfangreich darf das Programm sein? Und natürlich stellt sich immer die wirtschaftliche Frage, denn Pokémon gehört nicht zu den günstigsten Lizenzen.

Als Redakteur muss ich mir darüber vergleichsweise wenige Gedanken machen. Menschen im Produktmanagement und Marketing, wie Rebecca, beschäftigen sich dagegen ständig damit.

Dr. Rebecca Haar:
Wir werden auf jeden Fall weiterhin Pokémon-Manga veröffentlichen. Außerdem haben wir begonnen, einige bestehende Reihen in besonderen Editionen neu herauszubringen.

Dazu gehört die Jubiläumsausgabe von „Pokémon – Die ersten Abenteuer“ im Schuber. Ein weiterer Schuber zu „Pokémon Sonne und Mond“ ist ebenfalls angekündigt.

Außerdem haben wir Metallboxen geplant. Von mehreren Pokémon-Reihen wird der jeweils erste Band noch einmal in einer solchen Box veröffentlicht. Der Manga selbst unterscheidet sich nicht wesentlich von der regulären Ausgabe. Die Metallbox ist aber besonders gestaltet und enthält zusätzlich eine Postkarte und einen Magneten.

Damit möchten wir Menschen ansprechen, die Manga sammeln und sich besondere Editionen ins Regal stellen wollen. Wir probieren momentan aus, wie sich der typische Pokémon-Sammelcharakter stärker auf die Manga übertragen lässt.

Der erste Jubiläumsschuber funktionierte sehr gut. Er war im Grunde bereits ausverkauft, bevor er regulär im Handel erschien. Die Edition war auf 2.500 Exemplare limitiert. Ich hatte erwartet, dass der Bestand mindestens zwei Monate reichen würde, doch die Vorbestellungen waren wesentlich höher.

Steffen Volkmer:
Früher waren Manga eher ein klassisches Konsumprodukt. Die meist jüngeren Leserinnen und Leser wollten möglichst wenig Geld investieren, dafür aber in hoher Frequenz neue Bände lesen. Das ist grundsätzlich eine sehr schöne Form, Comics zu nutzen.

Im Superheldenbereich hat sich durch Variant-Cover und andere Sonderausgaben längst ein Sammlermarkt entwickelt. Dort möchten die Käuferinnen und Käufer etwas Besonderes oder besonders aufwendig Gestaltetes besitzen.

Inzwischen sehen wir diese Entwicklung auch bei Manga und damit bei Pokémon. Die Kinder und Jugendlichen, die früher die ersten Manga gekauft haben, sind heute erwachsen und haben teilweise selbst Kinder. Ihre alten Ausgaben sind vielleicht stark gelesen und zerfleddert. Nun wünschen sie sich dieselben Geschichten noch einmal in einer hochwertigen Edition.

Deshalb haben wir begonnen, solche Sammlerausgaben zu veröffentlichen. Das wäre im Mangabereich früher kaum vorstellbar gewesen. Manga waren lange darauf ausgerichtet, möglichst schnell und günstig produziert und gelesen zu werden.

Heute ist der Markt in Deutschland so lange etabliert, dass sich eine eigene Sammlerschaft entwickeln konnte. Diese Menschen möchten vertraute Geschichten in schönen Editionen besitzen, möglichst mit besonderen Extras, die man stolz ins Regal stellen kann.

Bei Pokémon war der Sammelgedanke durch die Spiele, Karten und anderen Produkte natürlich schon immer vorhanden. Bei den Comics spielte er bislang eine geringere Rolle.

Ich finde diese Entwicklung sehr schön, und zwar nicht nur, weil man als Verlag dadurch ein Produkt ein weiteres Mal verkaufen kann. Sie zeigt auch, dass diese Geschichten für die Menschen eine besondere Wertigkeit besitzen.

Ich bin selbst ein großer Comicsammler. Ich mag es, Lieblingsserien als Hardcover oder in einer anderen hochwertigen Form im Regal stehen zu haben und sagen zu können: „Das ist eine meiner liebsten Reihen, und sie sieht im Regal auch noch großartig aus.“

Dominik:
Viele Fans hatten Fragen zu den angekündigten Metallboxen. Wie genau kann man sich diese Produkte vorstellen?

Dr. Rebecca Haar:
Wir haben uns angesehen, welche Manga-Sammelprodukte im Ausland angeboten werden und welche Ideen auch für den deutschen Markt interessant sein könnten. Ähnliche Metallboxen gab es bei den Superhelden bereits, und sie wurden gut angenommen.

Deshalb wollten wir ausprobieren, ob dieses Konzept auch bei Manga funktioniert. In der Box befinden sich der erste Band der jeweiligen Reihe, eine Postkarte und ein Magnet. Die Editionen sind limitiert.

Man kann die Box schön ins Regal oder auf den Schreibtisch stellen. Theoretisch könnte man sie natürlich auch anderweitig verwenden. Ich gehe aber davon aus, dass die meisten Menschen sie als vollständiges Sammlerstück aufbewahren möchten.

Zum Zeitpunkt des Interviews befanden wir uns bei der Produktion in den letzten Arbeitsschritten. Das Design stand bereits. Ich war sehr gespannt darauf, endlich eine fertige Box in der Hand zu halten.

Dieser Produktionsweg ist sehr interessant. Man überlegt ständig, ob etwas auf die eine oder andere Weise umgesetzt werden sollte, was die Fans besser finden könnten und welche Lösung sinnvoller ist.

Wir achten außerdem darauf, dass die Produkte gut verpackt werden können und unbeschädigt bei den Käuferinnen und Käufern ankommen.

Steffen Volkmer:
Bei solchen Beigaben stellt sich immer die Frage, wie umfangreich man eine Manga-Ausgabe ausstattet.

Ich persönlich finde es großartig, wenn ich ein Hardcover oder eine Ausgabe mit Schutzumschlag ins Regal stellen kann. Ich mag Produkte, die wertig aussehen. Limitierte Editionen dürfen für meinen Geschmack gern etwas größer sein. In meinem Alter bin ich auch froh, wenn die Bilder größer sind, weil die Augen nicht mehr ganz so gut funktionieren.

Ich finde, dass vielen Comics ein größeres Format guttut. Manga gehören zu den kleinsten gedruckten Comicformaten. Deshalb gefallen mir Deluxe-Ausgaben, die größer produziert werden und beispielsweise als Hardcover oder mit Schutzumschlag erscheinen.

Manche Menschen sagen natürlich: „Das ist doch im Grunde derselbe Inhalt, den wir bereits besitzen. Das ist reine Geldmacherei und braucht niemand.“ Das kann man so sehen. Deshalb sind solche Produkte meistens limitiert und richten sich an diejenigen, die besondere Editionen mögen und sammeln wollen.

Bei den Metallboxen kommt noch ein weiterer Gedanke hinzu. Gerade bei japanischen Produkten stellt sich immer die Frage, was uns der Lizenzgeber überhaupt erlaubt.

Zunächst muss man dem Partner die grundsätzliche Idee einer solchen Box vermitteln. Anschließend muss auch das Design freigegeben werden. Manchmal spinnt man einfach herum und entwickelt etwas, bei dem man denkt: „Ich fände es großartig, wenn es dieses Produkt gäbe.“

Dabei kommt der eigene Fan zum Vorschein, den man bei besonders ausgefallenen Ideen gelegentlich einbremsen muss. Umso schöner ist es, wenn man das fertige Produkt am Ende tatsächlich vor sich liegen hat und denkt: „Ich hätte nicht geglaubt, dass wir das wirklich umsetzen können.“

Dominik:
Wie sieht die nähere Zukunft der Pokémon-Manga bei Panini aus? Aktuell erscheinen unter anderem „Pokémon Schwert und Schild“ aus der Galar-Region und „Pokémon – Die ersten Abenteuer: HeartGold und SoulSilver“.

Dr. Rebecca Haar:
Für das zweite Halbjahr haben wir etwas geplant. Ich kann allerdings noch nicht verraten, worum es sich handelt. Es wird auf jeden Fall weitergehen.

Dominik:
Wird es für Handlungsbögen, die bereits erschienen sind, aber chronologisch nach „HeartGold und SoulSilver“ spielen, eine neue Nummerierung oder eine neu eingeordnete Fassung geben?

Dr. Rebecca Haar:
Wir haben bislang versucht, vergriffene Pokémon-Bände regelmäßig nachzudrucken. Wenn momentan etwas nicht erhältlich ist, kann man davon ausgehen, dass es wiederkommen wird. Wegen verschiedener Produktionsprobleme kann es aktuell etwas länger dauern, aber wir möchten die Titel grundsätzlich verfügbar halten.

Bei neuen Reihen überlegen wir immer, ob sie sinnvoll in eine bestehende Reihe eingegliedert werden können. Unter dem Titel „Pokémon – Die ersten Abenteuer“ sind neben „HeartGold und SoulSilver“ beispielsweise auch „Smaragd“, „Diamant und Perl“ und weitere Handlungsbögen erschienen.

Bei einer neuen Veröffentlichung stellt sich deshalb stets die Frage, ob sie Teil dieser langen Reihe werden oder lieber eine eigene kürzere Reihe bilden soll.

Für manche Leserinnen und Leser kann eine Serie mit mehr als 40 Bänden abschreckend wirken. Eine abgeschlossene Reihe wie „Omega Rubin und Alpha Saphir“ mit nur drei Bänden bietet einen wesentlich einfacheren Einstieg.

Solche Überlegungen spielen bei der Entscheidung eine Rolle. Wie die Nummerierungen künftig konkret gehandhabt werden, können wir momentan aber noch nicht sagen.

Steffen Volkmer:
Um die Frage möglichst wenig eindeutig zu beantworten: Wir können es zurzeit wirklich nicht sagen.

Solche Entscheidungen werden normalerweise erst getroffen, wenn eine konkrete Veröffentlichung bevorsteht. Es gibt keine allgemeine Strategie, nach der jede Reihe immer fortlaufend oder immer mit einer neuen Nummer eins veröffentlicht wird.

Bei Superhelden kann es beispielsweise sinnvoll sein, eine schlecht laufende Serie mit dem Beginn einer neuen Storyline wieder bei Nummer eins starten zu lassen. Man signalisiert damit einen neuen Einstieg und versucht, weitere Leserinnen und Leser zu gewinnen.

Andere Serien laufen bereits sehr lange, und genau diese fortlaufende Nummerierung ist Teil ihres Erfolges. Die Menschen freuen sich auf die jeweils nächste Nummer. Dann versucht man möglicherweise, eine eigentlich endende Reihe mit neuem Material fortzuführen, damit diese Kontinuität erhalten bleibt.

Am Ende fließen vertriebliche und marketingbezogene Gesichtspunkte in die Entscheidung ein. Auch der Lizenzgeber kann vorgeben, dass eine neue Nummerierung beginnen soll.

Nur selten kann man bereits zwei Jahre im Voraus sagen, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt eine neue Nummer eins erscheinen wird. Das ist hauptsächlich dann möglich, wenn eine abgeschlossene Reihe und ihre direkte Nachfolgeserie bereits feststehen.

Dominik:
Ihr habt euch beruflich inzwischen viel mit Pokémon beschäftigt. Gibt es bestimmte Pokémon, die euch besonders gefallen, oder kuriose Erlebnisse, die euch im Gedächtnis geblieben sind?

Steffen Volkmer:
Ich bin sehr froh, dass du diese Frage stellst. Wir haben vorher tatsächlich darüber diskutiert.

Pokémon existiert schon so lange, dass ich im Laufe meines Lebens immer wieder Berührungspunkte damit hatte. Ich habe Dinge angesehen und gelesen, würde aber nicht behaupten, dass ich besonders tief in der Materie stecke.

An Pokémon kommt man trotzdem kaum vorbei. Ich war beispielsweise auf der San Diego Comic-Con, als „Pokémon Go“ gerade gestartet war. Plötzlich liefen überall Menschen durch die Veranstaltung, weil dort besonders viele Items oder andere Besonderheiten im Spiel zu finden waren.

Am Anfang verstand ich überhaupt nicht, was geschah. Irgendwann erklärte mir jemand, dass „Pokémon Go“ gerade erschienen sei und es auf der Comic-Con besondere Inhalte gebe. So rutscht man ganz automatisch in dieses Universum hinein.

Ich finde die Pokémon-Welt sehr interessant und kann mich dafür begeistern. Ob ich ein offizielles Lieblings-Pokémon habe, weiß ich allerdings nicht.

Ich betreibe einen kleinen YouTube-Kanal namens „Comics und Bier“. Dort setze ich mich mit verschiedenen Menschen aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis zusammen. Wir stellen uns gegenseitig Comics vor, verkosten dazu zwei Craftbiere und unterhalten uns darüber.

Einige meiner Gäste sind große Manga-Fans und bringen immer wieder Titel mit, die ich noch nicht kenne. Im Mangabereich bin ich eher nebenbei unterwegs, obwohl es dort viele großartige Sachen gibt. Deshalb freue ich mich, wenn andere Menschen mich auf interessante Werke hinweisen.

Eine Freundin, die selbst Bier braut, war vor Kurzem in der Sendung. Während der Verkostung überlegten wir, wie ihr Bier heißen könnte. Irgendwann kam sie auf den Namen „Biersasam“.

Später suchte sie im Internet danach und stellte fest, dass andere Menschen bereits dieselbe Idee gehabt hatten. Es gab sogar ein entsprechendes T-Shirt. In einer späteren Sendung trug sie dieses Shirt. Daraufhin habe ich Biersasam spontan zu meinem Lieblings-Pokémon erklärt, obwohl es natürlich kein offizielles Pokémon ist.

Dr. Rebecca Haar:
Das erste Pokémon, das wahrscheinlich jeder kennt, ist Pikachu. Lange Zeit war es auch das einzige Pokémon, das ich kannte. Als Pokémon neu war, wurde Pikachu überall gezeigt. Später merkte ich schnell, wie viele weitere Pokémon es gibt. Inzwischen sind es Hunderte.

Vor Kurzem habe ich wieder einen Manga gelesen, in dem Hundemon vorkam. Ich habe bekanntermaßen eine große Schwäche für Hunde und alles, was damit zu tun hat.

Hundemon ist außerdem ein Unlicht-Pokémon. Das passte für mich wie die Faust aufs Auge, weil es mehrere Dinge verkörpert, die ich auf unterschiedliche Weise interessant finde. Als ich es sah, dachte ich sofort: „Ja, genau das ist es.“

Dominik:
Gibt es darüber hinaus ein besonderes Pokémon-Erlebnis, an das du gern zurückdenkst?

Dr. Rebecca Haar:
Im Laufe der Jahre begegnet einem auf Conventions sehr viel. Deshalb kann ich mich nur schwer auf eine einzelne Situation festlegen.

Pikachu bleibt für mich besonders präsent, weil es so viele Dinge dazu gibt. Menschen tragen Pikachu-Ohren oder andere Accessoires. Die Figur ist inzwischen so ikonisch, dass sie für etwas sehr Großes steht, das für viele Menschen ein wichtiger Teil ihres Fandaseins ist.

Man muss nicht einmal das Wort Pokémon dazuschreiben. Sobald irgendwo Pikachu zu sehen ist, weiß jeder, was gemeint ist. Das finde ich beeindruckend.

Steffen Volkmer:
Ich fand es auf Messen immer faszinierend, Fans im Cosplay zu sehen. Cosplay ist grundsätzlich spannend, aber bei Pokémon schaffen es Menschen teilweise, sich in Figuren zu verwandeln, bei denen ich niemals auf die Idee gekommen wäre, dass daraus ein Kostüm entstehen könnte.

Pikachu wird natürlich besonders häufig dargestellt. Bei manchen anderen Pokémon denke ich: „Das hätte ich mir nie als Cosplay vorstellen können.“ Bei einigen hätte ich es mir möglicherweise auch gar nicht vorstellen wollen. Trotzdem finde ich die Kreativität beeindruckend.

Als Hidenori Kusaka und Satoshi Yamamoto bei uns zu Gast waren, setzte sich der Autor für unser Interview ebenfalls in einer Art Cosplay vor die Kamera. Das sah sehr witzig aus.

Die beiden sprachen auch über ihre Lieblings-Pokémon. Ich erinnere mich nicht mehr an die genauen Namen. Der Zeichner erklärte, dass er persönlich eher in Richtung Gothic gehe und deshalb ein Pokémon gewählt habe, das für ihn eine entsprechende Ausstrahlung besitze.

Der Autor hatte ein Pokémon ausgewählt, dessen Name in japanischer Schrift seinem eigenen Namen ähnelte.

Solche Erklärungen finde ich sehr spannend, weil man dadurch erkennt, wie anders Pokémon in der japanischen Kultur verankert ist. Mich interessiert, wie das Franchise in Deutschland wahrgenommen, in Amerika adaptiert und in Japan kulturell erlebt wird. Diese Perspektiven gehen weit über die eigentlichen Comics und Manga hinaus.

Dominik:
Gibt es zum Abschluss noch etwas, das ihr den Pokémon-Fans zu den Manga, zu Panini oder zum Franchise allgemein mitgeben möchtet?

Steffen Volkmer:
Grundsätzlich sage ich immer: Lest mehr Manga und trinkt mehr Bier. Bier natürlich nur, wenn ihr alt genug seid, und selbstverständlich in Maßen.

Pokémon ist ein faszinierendes und unglaublich umfangreiches Universum. Ich bin immer wieder davon beeindruckt, obwohl ich selbst nicht der größte Pokémon-Fan bin.

Das ist gerade das Schöne daran. Man kann von Pokémon fasziniert sein, ohne als Superfan jede Einzelheit zu kennen. Wir können eine Stunde oder länger darüber sprechen, obwohl wir nicht jedes Pokémon auswendig aufzählen können.

Demnächst erscheint bei Panini außerdem „Die große Pokémon-Enzyklopädie“. Darin sind alle Pokémon enthalten, die bis zur Drucklegung berücksichtigt werden konnten. Vorne gibt es ein alphabetisches Register. Im Hauptteil werden die Figuren mit Abbildungen, Entwicklungsstufen und ihren jeweiligen Fähigkeiten vorgestellt.

Rebecca hatte mir zur Vorbereitung die PDF-Datei besorgt. Ich klickte mich durch das gesamte Buch, weil ich immer wieder dachte: „Ach was, das ist ja interessant. Dieses Pokémon habe ich noch nie gesehen. Was ist denn das für eines?“ Dabei wurde mir erneut bewusst, wie unglaublich umfangreich diese Welt ist.

Dr. Rebecca Haar:
Die Enzyklopädie wird von einer anderen Abteilung bei uns betreut, weil es sich nicht um einen Manga handelt.

Zur Vorbereitung habe ich das Buch ebenfalls durchgeblättert. Eigentlich wollte ich nur schnell einen Blick hineinwerfen, blieb dann aber richtig daran hängen.

Ich finde großartig, dass etwas, das in den 1990er-Jahren als Computerspiel begonnen hat, inzwischen so viele weitere Bereiche hervorgebracht hat. Dazu gehören Manga, Enzyklopädien, weitere Spiele, Conventions und vieles mehr.

Pokémon verbindet Menschen. Durch ein gemeinsames Interesse oder Hobby entstehen Bekanntschaften und Freundschaften. Das Franchise hat einen echten Einfluss auf diejenigen, die sich damit beschäftigen.

Beim Durchsehen der Enzyklopädie war ich allein schon davon fasziniert, wie viele Pokémon es inzwischen gibt. Es ist eben mehr als nur eine Geschichte oder ein Computerspiel. Es ist etwas, das Menschen auf ganz unterschiedliche Weise miteinander verbinden kann.

Steffen Volkmer:
Das Buch hat 560 Seiten und enthält 875 Pokémon, von A wie Aalabyss bis Z wie Zytomega. Es sollte voraussichtlich 25 Euro kosten und am 22. März erscheinen.

Wegen der allgemeinen Papierknappheit war der genaue Termin zum Zeitpunkt des Interviews allerdings noch nicht vollständig sicher.